Berlin-Blankenburg

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2. Die Wandzeitung

(Dieser Artikel ist mit dem Titel "My Penfriends" auch bei "Wahre Geschichten vom Glück" erschienen, unterscheidet sich aber im letzten Absatz deutlich!)

Unser emotionales Gedächtnis verknüpft besondere Ereignisse in unserer Vita gern mit Namen von Personen und dazugehörigen Orten. Wir speichern sie zusammen in einer Art Perlenkette ab, die man Lebenserfahrung nennt.

Till Winston (GB), Naoko Asano (J), Janet Harkins (NZ) und Debby Urbanovicz (CDN) sind zum Beispiel Namen von Menschen, denen ich im Leben nie persönlich begegnet bin. Und doch ist meine Erinnerung an sie seit meiner Schulzeit eng verknüpft mit vielen positiven Emotionen und ... mit einer Wandzeitung.

Es ergab sich aus einem typisch-provokanten Pennäler-Spaß, der - wie sich bald herausstellen sollte - ebenso erfolgreich wie folgenschwer war.

Zum Aufsatzthema "Briefe an Freunde" in der 11b1 der "Friedrich-List-Schule" in Niederschönhausen kam mein Banknachbar mit mir auf die "anstößige" Idee, nicht - wie erwartet - die vielbesungene "deutsch-sowjetische Freundschaft" ins literarische Licht zu rücken. Nein, Karlchen und ich beschlossen stattdessen, einen Versuchsballon in Richtung westliche Welt zu starten.

Ein Globus, der auch in Ostberlin zum gängigen Schulbedarf gehörte, war schnell zur Hand und eine Auswahl möglichst interessant klingender Städte im Nu erstellt. Um den Überblick zu wahren, hatten wir uns insgesamt 10 markante Orte ausgeguckt, wobei jeder von uns fünf Favoriten seiner "Traumziele" benannte.

Nicht alle sind mir in Erinnerung geblieben, doch die meisten sind sogar heut' noch nachweisbar (siehe Foto):

Cognac (Frankreich); Bristol (England); Sendai (Japan); Port Stanley (Falklandinseln); Churchill (Manitoba/Hudson Bay/Canada); Tokomaru Bay (Neuseeland); Kalkutta (Indien); ... hießen unsere Anlaufstellen.

Nach kurzer Recherche ging schon tags darauf der gemeinsam in Englisch verfasste Brief zehnfach - jeweils mit ausreichender Frankierung versehen - per Luftpost auf die Reise. Adressiert mit "To the General Post Office" begann unser Rundschreiben mit "Dear Sir", was durchaus dem damaligen Zeitgeist entsprach. Im weiteren Text stellten wir uns kurz als Schüler "from the GDR" vor, die an einer Brieffreundschaft interessiert seien und baten um öffentlichen Aushang unserer Offerte in einem Schaukasten des Postamts...

Tagelang kreisten unsere Gedanken um kein anderes Thema mehr. Würde unsere "Flaschen-Luftpost" überhaupt irgendwo ankommen? Sicherheitshalber hatten wir niemanden eingeweiht. Es galt, die mögliche, ja sogar wahrscheinliche Blamage zu vermeiden, falls gar keine Antwort käme.

Doch nach ca. zwei Wochen intensiver Spannung trafen endlich erste Karten und Briefe ein. Die Resonanz war letztlich überwältigend: Als Erster schrieb Eric aus Cognac. Sein Vater war der Postvorsteher und hatte ihm unseren Brief einfach mit nach Hause gebracht. Dann kam eine Karte aus Bristol mit typischem Royal-Motiv "Queen und Prinz Andrew hoch zu Ross", von der wir lernten, dass Till in England auch ein cooler Mädchenname ist.

Aus fast allen angeschriebenen Städten kam mehr als ein Freundschaftsangebot zurück. Die Krönung der Aktion aber stellte sich in Neuseeland ein, von wo nach und nach mehr als 30 Zuschriften aus allen Regionen dieses für uns damals unerreichbar scheinenden Inselstaates im Südpazifik eintrafen. Bald erfuhren wir den Grund dafür: in der Hauptstadt Wellington hatte der "General Manager" keinen Aushang gemacht, sondern unseren Brief einfach gleich im landesweit vertriebenen Magazin der NEW ZEALAND POST GROUP veröffentlicht.

An der Schule sprach sich unser Erfolg dann schnell herum. Und auch mein Aufsatz hatte wohl deutlich mehr als nur eine (rote) Farbe. Als "diensthabender" Wandzeitungsredakteur, der ich damals zufällig war, sah ich es zudem als selbstverständlich an, auch einen kurzen aber bunt bebilderten Artikel zum Thema an das oft so trostlos wirkende schwarze Brett zu pinnen.

Nach der Devise: "Wer viel fragt, bekommt viel Antwort!" verströmten schon bald einige exotische Ansichtskarten garniert mit ein paar flotten Zeilen ihren unwiderstehlichen Reiz im Klassenzimmer.

Die meisten Mitschüler freuten sich mit uns und nannten es "geniale Idee"! Für andere humorlose Gemüter war es wohl eher eine "illegale Verbindungsaufnahme ins nichtsozialistische Ausland (NSA)", wenngleich es nicht verboten war.

Trotzdem war der Artikel samt Karten schon am nächsten Tag von der Wandzeitung verschwunden. Auf die empörte Nachfrage beim Klassenlehrer verwies der uns ohne Kommentar direkt ... an den Direktor.

Nach einigen vergeblichen Anläufen, über das Sekretariat einen Termin beim Direks zu bekommen, ließ er uns schließlich eine Art "Botschaft" ausrichten, die mir hernach im späteren Leben - so oder ähnlich - noch mehrfach begegnen sollte:

"Die Überprüfung der Wandzeitungen an unserer Schule ist ein üblicher Vorgang in der Arbeit der Schulleitung und erfolgt insbesondere zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit turnusmäßig..."


Nachtrag: Wir lenkten dann ein und fragten nicht mehr nach. Schließlich wollten wir ja wegen unserer bunten Brieffreundschaften nicht noch von der Schule fliegen. Wir schrieben damals das Jahr 1970 und machten im Jahr darauf doch noch unser Abi. Heute, 50 Jahre später, sind wir alt und grau. Nur die Methoden der Zensur und die Antworten auf unbequeme Anfragen scheinen systemübergreifend nicht zu altern.

Wolfgang Papenbrock - 26.03.2020 -

(Dieser Artikel ist mit dem Titel "My Penfriends" auch bei "Wahre Geschichten vom Glück" erschienen, unterscheidet sich aber im letzten Absatz deutlich!)


1. In eigener Sache


Wenn Pressefreiheit auf Wirklichkeit trifft...


Sehr geehrte Anwohnerinnen und Anwohner,
liebe erwachsene und minderjährige Mitmenschen,
liebe PC-, Tablet- und Smartphone-User in Nah und Fern mit "Netz" und
Interesse an Themen, die Berlin-Blankenburg und sein Umfeld betreffen,

auch uns zwingt die Corona-Krise zur gefühlten Schleichfahrt mit Kontaktvermeidung. Nicht nur Optimisten wissen: Davon geht die Welt nicht unter! Auf jede Auszeit folgt ein Neustart. Und meist dröhnt auch nach Baustoppstille irgendwann der Bagger wieder.

Um Sie, Euch alle weiterhin objektiv über die Entwicklung unseres Heimatortes im Zusammenhang mit den Plänen des Berliner Senats zum Wohnungsbauprojekt "Blankenburger Süden" informieren zu können und insbesondere auch eine weitere Ausbreitung diesbezüglich grassierender Fehlinformationen zu verlangsamen, arbeitet unsere Redaktion derzeit intensiver denn je!

Es ist bekannt, dass nicht alle Medienanfragen beim Berliner Senat die notwendige Beachtung finden oder gar bei den Verantwortlichen überschwängliche Begeisterung auslösen.

Weniger bekannt sein dürfte, dass auch erfahrene Medienprofis nach einem Ruf auf den Hochsitz einer staatlichen Pressestelle gelegentlich alle journalistischen Tugenden fahren lassen, wenn es vermeintlich um das politische Überleben ihrer Dienstherren*innen bzw. ganz konkret um die Verhinderung echter Bürgerbeteiligung und/oder - was weit schwerer wiegt! - wenn es um die Verhinderung objektiv-kritischer Berichterstattung geht!

Sogar der Jugendredaktion unseres überschaubar weitreichenden regionalen Webportals wurde bereits im ersten Jahr ihrer Existenz schon mehrfach diese besondere Ausdrucksform der Würdigung und Wertschätzung von ehrenamtlicher journalistischer Arbeit junger Medienmacher zuteil, u. a. durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.

Hier das jüngste Beispiel aus dem "Hause Lompscher":

(stammt noch aus der Zeit VOR DER CORONA-KRISE)

Auf jeweils gleichlautende Anfragen unserer Jugendredaktion vom 10. März 2020 (siehe Spalte rechts oben - A - ) bei den vier Planungsbüros zum neuen Stadtquartier "Blankenburger Süden", die am 14. Februar 2020 in einer öffentlichen Veranstaltung im "Von Greifswald" im Stadtbezirk Prenzlauer Berg ihre "städtebaulichen Zwischenentwürfe" vorgestellt hatten, ging umgehend bereits am 10. März 2020 um 12:30 Uhr die folgende E-Mail-Nachricht an die Jugendredaktion ein:

-----Ursprüngliche Nachricht-----
From: Katrin.Dietl@sensw.berlin.de
Sent: Tuesday,
March 10, 2020 12:30 PM
To: Jugendredaktion@berlin-blankenburg.de

Cc: Alexandra.Hofer@SenSW.berlin.de ; Petra.Rohland@SenSW.berlin.de
Subject: Anfrage

Sehr geehrter Herr Papenbrock,


Vielen Dank für Ihre Email und die damit verbundene Anfrage.
Bitte seinen Sie freundlich und übermitteln uns vor der Beantwortung eine Kopie Ihres gültigen Presseausweises.


Mit freundlichen Grüßen
Katrin Dietl

Von meinem iPhone gesendet

(Hervorhebung mit
Fettschrift in Rot durch die Redaktion)

Hierzu stelle ich zunächst fest:

1.
Die Anfragen waren als Presseanfragen der Jugendredaktion klar gekennzeichnet.
2.
Die Anfragen der Jugendredaktion gingen ausschließlich an die beteiligten Planungsteams.
3.
Es gab unsererseits bisher keine gesonderte Anfrage zum Thema bei der Senatsverwaltung (SenSW).
4.
Seit März 2019 bis einschließlich zum 11.03.2020 waren die Jugendpresseausweise der Jugendredaktion auf der Webseite "Über uns" zur Legitimation der jungen Mediengestalter als Pressevertreter öffentlich einsehbar (siehe Spalte rechts
- B -).
5.
Die Jugendredaktion war mit diesem Nachweis (siehe oben 4.) auf ihren Antrag vom 06.05.2019 auch in den offiziellen Presseverteiler der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung/Wohnen aufgenommen worden.
6.
Im Jahr 2019 wurden Presseanfragen der Jugendredaktion von der Pressestelle SenSW ohne Beanstandung beantwortet. Zuletzt am 10. Mai 2019 - 09:18 Uhr. Seither gab es keinen weiteren Kontakt mehr seitens der Jugendredaktion mit der Pressestelle SenSW.

7.
Die diesseits noch am 10.03.2020 eingeleitete Überprüfung ergab, dass in der Tat die beiden seit März 2019 auf der "Über uns"-Webseite abgebildeten Jugendpresseausweise (siehe Spalte rechts
- B -) in ihrem Erscheinungsbild nicht zu 100% korrekt waren. Offensichtlich waren beide Passfotos veraltet. Zudem ergab die Recherche im zuständigen Vereinsregister zweifelsfrei, dass der Name des ausstellenden Verbandes auf beiden (!) ausgegebenen Jugendpresseausweisen nicht richtig angegeben war. Dies war bis dahin offenbar niemandem aufgefallen.

8.
Wir haben darauf noch am 11.03.2020 die Ablichtung der beiden Dokumente von der Webseite genommen und den betreffenden Verband unter Hinweis auf die o. g. Beanstandung der Pressestelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen gebeten, eine Neuausstellung der Jugendpresseausweise für unsere beiden Mitarbeiter - nunmehr mit korrekten Angaben - möglichst zeitnah zu veranlassen. Gleichzeitig sollten dabei auch die aktuellen Passfotos der jungen Medienmacher verwendet werden. (Vorgang in Bearbeitung)

Nach gründlicher Aussprache und Abwägung aller möglichen Konsequenzen wurde in der gestrigen Redaktionskonferenz einstimmig beschlossen, den Mitgliedern der Jugendredaktion das Vertrauen auszusprechen und ihnen größtmögliche Unterstützung zu gewähren. Als erster Schritt zur Vermeidung unnötiger Weiterungen wird hiermit die folgende öffentliche Erklärung abgegeben:

Eidesstattliche Versicherung

Hiermit erkläre ich als presserechtlich Verantwortlicher und Vorsitzender der Gesamtredaktion der Onlinepublikation "Mein Berlin-Blankenburg" (Ortsteil-Webportal unter Berlin-Blankenburg.de) in Kenntnis der Strafbarkeit einer falschen (auch fahrlässig falschen) eidesstattlichen Versicherung an Eides statt:

In Bezug auf die beiden offiziellen Mitglieder der Jugendredaktion, die auf der Webseite unter "Kontakt" ordnungsgemäß ausgewiesen sind, ist uns derzeit bekannt, dass

a)
sich beide in ungekündigter Mitgliedschaft eines aktuell auf Bundesebene zugelassenen Verbandes junger Medienmacher befinden;
b)
keine fälligen Forderungen an Mitgliedsbeiträgen bzw. sonstigen Gebühren bestehen;
c)
Verlängerungsanträge und Passfotos für aktuelle Jugendpresseausweise übersandt sind;
d)
beide jeweils über gültige Personalausweis- und Führerscheindokumente verfügen;
e)
beide im Melderegister mit ihrer ständigen Wohnadresse ordnungsgemäß verzeichnet sind;
f)
sich beide seit Jahren ehrenamtlich engagieren (u. a. im staatlich anerkannt gemeinnützigen VABB - Vereinte Anwohner von Berlin-Blankenburg e.V.);
g)
beide als unmittelbar persönlich betroffene Anwohner des Bauprojekts "Blankenburger Süden" auch als "normale Bürger" ein berechtigtes Interesse an den Planungen zur Entwicklung ihres Heimatortes haben;

Uns ist hingegen derzeit nicht bekannt, dass bei einem der beiden:

h)
anhängige Ausschlussverfahren jedweder Art zu verzeichnen wären;
i)
Einträge im erweiterten polizeilichen Führungszeugnis vorliegen würden;
j)
Einträge im amtlichen Strafregister der Bundesrepublik vorliegen würden;
k)
laufende Ermittlungsverfahren zu verzeichnen wären;
l)
Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei registriert wären;
m)
Einträge im amtlichen Schuldnerverzeichnis zu finden wären;
n)
eine Zugehörigkeit zu einer Partei oder einer sonstigen politischen Vereinigung vorliegen würde;
o)
beanstandungswürdiges Wahlverhalten bekannt geworden wäre;
p)
ein Beschwerdeverfahren beim Deutschen Presserat anhängig war oder ist;
q)
ein positives Testergebnis auf den Covid-19-Virus festgestellt wurde;

Darüber hinaus liegen uns keine Erkenntnisse vor, dass die beiden betroffenen jungen Medienmacher nicht im öffentlichen Interesse tätig sein könnten, wenn sie ihr staatlich anerkanntes gemeinnütziges Engagement ehrenamtlich ausüben
(vgl. auch FA-Bestätigungsschreiben vom 10.02.2020 ).

Ebenso sind uns bisher
keine Verstöße der beiden jungen Pressevertreter gegen Rechtsvorschriften bekannt, die ein zeitweiliges Aussetzen ihrer Rechte aus den einschlägigen Gesetzen zur Pressefreiheit, insbesondere aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG in Verbindung mit dem Berliner Pressegesetz (in der Fassung vom 04.04.2016) rechtfertigen könnten.

Berlin-Blankenburg, den 18. März 2020

Wolfgang Papenbrock
- Chefredakteur -
"Mein Berlin-Blankenburg"

P.S.:
Selbst mit einem vierzig Jahre alten Passfoto im Führerschein muss niemand bei der Verkehrskontrolle um sein Recht auf selbstgesteuertes Weiterfahren fürchten. Weder ein durch Amtsversehen mit falscher Hausnummer bedrucktes Dokument, noch ein seit wenigen Tagen zur Verlängerung anstehender oder als Verlust gemeldeter Personalausweis macht aus einem Bundesbürger ein rechtloses Individuum - oder gar einen Staatenlosen! -WP-

Chefredaktion - 18.03.2020 -


Nachtrag:

Auf schriftliche Nachfrage durch den Gesamtvorstand des VABB e.V. vom 19.03.2020, die mit einem ausdrücklichen Verweis auf diesen Artikel verbunden war, ging bereits wenige Stunden später eine Antwort aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ein, die mit folgenden Kernaussagen beginnt:


- 19. März 2020 10:16 Uhr -
"Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Abforderung eine gültigen Presseausweisen vor der Beantwortung von Anfragen ist ein üblicher Vorgang in der Arbeit einer Pressestelle. Da die Gültigkeit von Presseausweise i.d.R. auf ein Jahr begrenzt ist, erfolgt diese Abfrage turnusmäßig. Im Berliner Pressegesetz heißt es dazu:

§ 4 Informationsrecht der Presse. (1) Die Behörden sind verpflichtet, den Vertretern der Presse, die sich als solche ausweisen, zur Erfüllung ihrer Öffentlichen Aufgabe Auskünfte zu erteilen..."


LINK zum kompletten Artikel "In eigener Sache" vom 18.03.2020


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